Sie weichen nicht

Unser nächstes Filmprojekt wollen wir gemeinsam mit den Filmemacher*innen der kameradisten.org und mit den Einwohnern der Inselgruppe von Kiribati entwickeln. Die vielen kleinen Inseln der Republik im zentralen Pazifik werden bis 2060 vom ansteigenden Meeresspiegel bedeckt worden sein. Die Treibhausemissionen der Industriegesellschaft, die sich auf Kiribati selbst nie entwickelt hat, werden einer uralten Kultur, aber auch den unzähligen kleinen persönlichen Orten von Heimat und Vertrautheit den Untergang bringen.

Dieser „Untergang“ einer Zivilisation ist nicht nur ein lokales Ereignis, sondern zugleich eine universelle Warnung an alle Menschen auf der ganzen Welt. Am Schicksal von Kiribati können wir an einem konkreten Beispiel zeigen, welche Auswirkungen die Globale Erwärmung, die abschmelzenden Eismassen der Pole und der ansteigende Meeresspiegel auf unseren einzigen Planeten haben. Mit „Kiribati – Sie werden nicht weichen“ wollen wir Leugner*innen des Klimawandels die Stirn bieten. Wir können zeigen, wie sehr es drängt, umzudenken und endlich aktiv zu werden.

Dabei ist es uns besonders wichtig, nicht als Filmemacher aus der ersten Welt nach Kiribati zu kommen und einen Film über die Betroffenen zu machen. Wir verfolgen einen partizipativen Ansatz. Wir wollen die Menschen vor Ort kennenlernen und mit ihnen gemeinsam das Filmprojekt entwickeln. Dazu wollen wir unser Wissen über Interviewtechniken, Kamerabedienung und Dramaturgie mit ihnen teilen. Wir stellen unser Know-How in Form von Workshops zur Verfügung und ermöglichen dadurch eine Art Empowerment für die Menschen vor Ort. Wir wollen ihnen dabei beistehen, ihre Interessen eigenmächtig und selbstbestimmt zu vertreten.

Darüber hinaus haben wir die Erfahrung gemacht, dass Protagonisten anders in die Kamera schauen, wenn ein Freund ihnen die Fragen im Interview stellt. Die Beziehung zwischen den Beiden überträgt sich auf die Kinoleinwand und stellt damit eine ganz besondere Nähe und Möglichkeit der Identifikation für die Zuschauer her.  

Da wir bei unserem Projekt erkundend vorgehen wollen, stehen nur wenige Eckpunkte schon von Beginn an fest. Wir wollen beispielsweise gern mit einer Delegation aus Kiribati das etwa 20 Quadratkilometer große Land auf der zu Fidschi gehörenden Insel Vanua Levu besuchen, das 2014 von der Regierung Kiribatis gekauft wurde. Dorthin soll ein Teil der Bevölkerung nach und nach umgesiedelt werden. Zum Auftakt werden wir auf der im November 2017 stattfindenden 23. UN-Klimakonferenz in Bonn Interviews führen, deren Präsidentschaft die Republik Fidschi übernommen hat. Dies ist zusätzlich interessant, da sich Fidschi bislang als einziger Staat verbindlich dazu bereit erklärt hat, die künftigen Klima-Flüchtlinge aus Kiribati in festen Kontingenten aufzunehmen. Auf der Konferenz werden wir auch die Gesprächspartner finden, die sowohl über die Zukunft Kiribatis, als auch über die Zusammenhänge zwischen der globalen Erwärmung und dem Untergang des Landes Auskunft geben können. 

Außerdem ergaben unsere Recherchen, dass längst nicht alle Menschen auf Kiribati bereit sind, den Untergang ihrer Welt zu akzeptieren. Es gibt ungewöhnliche, technisch anspruchsvolle Ideen, wie die Inseln zumindest teilweise gerettet werden könnten. Auch über diese Träume, realistisch oder nicht, wollen wir mehr erfahren.

Unsere einzigartige Herangehensweise des gegenseitigen Erkundens und miteinander Entwickelns wird im Resultat einen spannenden, eindringlichen und höchst brisanten Dokumentarfilm hervorbringen, der das wichtigste Thema unserer Zeit ins Mark trifft.

8 thoughts to “Sie weichen nicht”

  1. So ihr Lieben, nach dem Geschildetem sieht mensch mal wieder, daß nicht Hollywood hinter euch steht. Laßt euch nicht entmutigen. Sie weichen ja nicht! Warum solltet ihr es dann tun? Aber abgesehen davon, Dinge passieren, weil sie passieren, denke ich. Kommt an!
    Lg. M.

    1. Lieber Micha,
      Studio Kalliope ist bei solchen Projekten 100 mal besser als Hollywood. Und nein, wir lassen uns nicht entmutigen. Wir bleiben an Kiribati dran. Vielleicht schaffen wir erneut, dahin zu fahren. Details, was alles so geschah und welche Entscheidung wir treffen mussten, siehst du endlich auf unseren neuen Beitrag: Ti a boo und auf Wiedersehen. https://mauri-kiribati.com/ti-a-boo-und-auf-wiedersehen/
      Es wäre schön, dich hier zu haben.
      LG, Viviana

  2. Liebe Fernreisende,
    ich weiß ja nicht wie es euch geht, die Tage und Wochen plätschern so dahin, wie die kleinen Wellen gegen die weißen Strände bei euch, aber ich komme total durcheinander, beim mitzählen der Wochen und deren Enden, an denen ihr so tolle Sachen erlebt. Es wäre nett von euch, wenn ihr unter den Blogeinträgen hin und wieder mal ein Datum setzen könntet. Danke.
    Ich hörte einmal, das Kawa trinken gesund sein soll ( Bier besteht ja auch nur aus Wasser und Getreide), vor allem für die Seele, um Zeit und Raum zu vergessen. Aber aus was für Behältnisse wurde früher Kawa getrunken, als die Polymerketten noch nicht die Welt eroberten? Könntet ihr das einmal bitte recherchieren, natürlich nur, wenn euch ein weiterer Besuch im Kawahaus nichts ausmacht? Danke.
    Apropos Kawahaus, als ihr euch da so einlullen ließet, war von einer fünf saitigen Gitarre die Rede, aber auf dem einleitendem Foto hatte sie noch sechs.
    Die einfachste Erklärung wäre ja dann, daß sie riß undoder verloren ging. Denn, als ich den musicante dort spielen sah, erschien es mir nicht, daß es ein Guitarrón war, welches ja ein Instrument ist, daß in der Mariachimusik hauptsächlich eingesetzt wird und auch viiiiiiel basslastiger daher kommt.
    Achso, hätte ich fast vergessen. Es erscheint mir, als ob ihr auf immer und ewig Touristen bleiben sollt. Das einzig positive daran wäre, daß eure technische Ausrüstung sich nicht abnutzt. Wofür hattet ihr sie noch einmal mit?
    Bis hierhin.
    Hoffe, ihr seid alle weiterhin gesund.
    LG Micha
    10.02.2018

  3. Lieber Micha,
    gute Idee, die mit dem Datum. Mal sehen.
    Ob Kawa gesund ist oder nicht, werde ich versuchen, heraus zu finden. Böse Münder sagen, das Getränk geht total auf die Leber. So wie andere Getränke auch, die auch solche bösen Münder trinken. Wir haben erfahren, dass ursprünglich ein typische Getränk auf den Fidji war, das dann Kiribati heimsuchte.
    Zu deiner Frage in Bezug auf die Gitarren. Nein, es sind keine Guitarrones, sondern “normalen” Gitarren halt mit 5 Seiten und viel tiefer gestimmt. Tatsächlich ist die Gitarre auf dem Foto, eine, die wir vor Ort gekauft haben. Wir spielen ja auch gerne und konnten nicht verstehen, warum die bei uns immer so verstimmt war. Dann sind wir dahinter gekommen. Bei unsere Abreise bekam die Gitarre Kabuta (unser Kumpel aus der Kawabar) als unsere Art der Dankbarkeit ihm gegenüber.
    So Kumpel, ich möchte mich bei dir und viele andere Entschuldigen für so lange Stille. Wir waren echt auf Achse, aber jetzt kehrt normaler Arbeitsbetrieb hier ein. Zumal das Internet auf Kiribati viel übrig lies. Jetzt werden wir häufiger Beiträge hoch laden.
    Bleibt im Warmen!
    Viviana

    1. Liebe Exilanten,
      vielen Dank für die weiteren und wichtigen Informationen aus den Weiten des Pazifischen Ozeans.
      Apropos Pazifik: um einmal aus dem Nähkästchen zu plaudern, vor Kurzem, es muß 1993 gewesen sein, stach ich mit drei Fischern aus El Transito und einer Nussschale (unter uns), am Morgen in See. Unserer Ziel waren Netze (hoffentlich voller Fische, dachte so jeder für sich) die sie am Vortag auslegten. Vier Stunden und ca. 40 km später erreichten wir diese und begannen selbige einzuholen( nebenbei; der Fang sei ok, sagten sie, die Fischer). Nicht nur das, auch etwas anderes fiel mir auf, rings um uns herum war Wasser, viel Wasser, sehr viel Wasser und es war der ruhigste und menschenleerste Ort, den ich bis dahin erleben durfte. Ich meine ja nur, eigentlich hätten eure Interviews undoder Workshops ja auch auf dem Wasser stattfinden können oder sogar müssen. Naja, ich meine ja nur. Als ich in meinem letzten Kommentar sagte, daß ihr auf immer Touristen bleiben werdet, ahnte ich schon Schlimmes. Nachdem ich in den letzten 14 Tagen meinen Grips zusammen nahm und noch einmal darüber nachdachte, erschien es mir nur folgelogisch. Unabhängig davon, wie schlecht der ein undoder andere Dokumentarfilm gewesen sei(Effekthascherei, Trittbrettfahrer*Innen, etc. ), es spielt einfach keine Rolle.
      Es ist bitter. Es ist Showtime. Es ist Buisness. Es ist PinkePinke, kurz es ist cool, aber Scheiße. Was ich über die Regierung auf Kiribati erfahre, deutet darauf hin, da ihr einfach kein Schmiergeld zahlen wolltet, die Regierung, vielleicht auch nur ein Teil davon korrupt ist. Auf den anderen Teil seid ihr anscheinend nicht gestoßen. Des Weiteren, kann ich mir vorstellen, daß nach dem Klimagipfel viel, sehr viel öffentliches Geld nach Kiribati fließt oder fließen wird ( Hochwasserschutz, Umsiedlung etc. ), dieses Geld bleibt natürlich zum aller größten Teil innerhalb der Regierungsmitglieder ( Diätenerhöhung, Wahlvolkkauf … )
      Es werden zwei, drei kleine Vorzeigeprojekte angeschoben und ein oder zwei Staatsmegaprojekte initialisiert, welche weiterhin viel Geld in die Taschen der Regierung spülen werden, nie zu Ende gebracht werden und mit der Insel untergehen werden. Zum Schluß, wenn den Bewohner*Innen Kiribatis, daß Wasser, im wahrsten Sinn, bis zum Hals steht, wird ein Umsiedlungsprozeß in Gang gesetzt werden, der selbigen Bewohner*Innen nur so das Geld aus den Taschen ziehen wird, damit sie ihr eigenes Leben und ihr wenig Hab und Gut (Staatsauflage: nur Handgepäck) in Sicherheit bringen dürfen. Meira wird das bittere Ende noch erleben, ich hoffe, ich liege falsch mit meinen Gedanken, aber die Geschichte lehrte und lehrt uns dies und wenn mensch dann noch eins und eins zusammenzählen kann und klar bei Verstand ist… . Ich meine ja nur. Aber wenn ich lese oder höre wie laute und kritische Stimmen zum Verstummen gebracht werden, deutet viel auf die Richtigkeit meiner Annahme hin. Traurig oder?
      Och, ich weiß nicht, ob es so gut wär mit euch dort zu sein. Ich habe ja an Vielem rumzunörgeln wie ihr wißt und wenn dann das Fazit meines Rumnörgelns am Essen in der Arrestzelle, das Bambusrohr ist, das ich zu spüren bekomme, … och nöö. Damit ist ja auch niemanden geholfen. Bleibt ihr lieber alle gesund, bin auf den nächsten Bericht gespannt.
      LG Micha
      07.03.2018

  4. Liebe Strandläufer*innen,
    mit – eran estudiante, no eran delinquentes! beginne ich heute einmal. Nicaragua blutet immer noch und mehr als 300 Mütter werden ihre Kinder nie wiedersehen, hunderte Mütter werden ihre Kinder irgendwann, wenn diese Knast und Folter überstanden haben werden, wiedersehen und meine Familie dort in Nicaragua, geht auf Jubelfeiern des Meuchelsystems, nachdem die letzten Barrikaden in Masaya brutal von den Paramilitärs geräumt wurden, da der Polizeichef von Masaya ankündigte, alles zu räumen- koste es was es wolle. Hilfe- ich sterbe gleich den Heldentod. Ja, so gehts mir gerade.
    Aber ich las bei euch, daß ihr so langsam vorankommt und eine Aktion die andere jagt.
    Schreibt ihr mal wieder einen neuen Zwischenbericht?
    Was sagt denn das KIRI dazu?
    Viel produktive Kraft euch und liebe Grüße Micha
    21. 07. 2018

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