Kamera läuft und läuft und läuft

Wir sind nach Rita gefahren. Weiter fahren kann man nicht, hier endet Majuros einzige Hauptstrasse. Von diesem Punkt aus kann man auf die nächsten Inseln des Atolls rüberschauen, die sich rund um die Lagune anordnen. Den Ort haben unsere Workshopteilnehmer Hanson und Ronny für ihr Interview vor der Kamera ausgewählt. Beide sind hier in Rita aufgewachsen, leben jetzt aber im Stadtzentrum („town-town“) von Majuro.

Wir bauen das Stativ auf, richten gemeinsam die große Canon ein und checken den Ton. Ok, sind alle bereit? „Audio nimmt auf.“ „Kamera läuft.“ Los geht´s.

Die dritte Workshop-Woche hat begonnen und wir sind bereits mittendrin im Filmen und Interview führen. Wir haben insgesamt 46 TeilnehmerInnen in 6 verschiedenen Workshops über die Woche verteilt und die Dinge entwickeln sich schnell.

Zu Beginn der Workshops gibt es jeweils einen theoretischen Input zu den Bereichen Technik, Audio, Kameraführung, Bildausschnitt, Interview und Stilmittel im Dokumentarfilm. Dann geht es direkt in die Praxis, wir gehen raus, suchen nach Orten für Interviews, die Workshop-TeilnehmerInnen befragen und filmen sich zunächst gegenseitig. Wie Detektive begeben wir uns auf die Suche nach wahren Geschichten. Gemeinsam überlegen wir, wer als Interviewpartner (außerhalb unseres Kreises) für den Film über die Marshall Islands in Frage kommt. Die TeilnehmerInnen trauen sich langsam immer mehr zu und merken, wie viel sie eigentlich schon über das Handhaben der Technik wissen, aber vor allem auch über ihr eigene Geschichte und Kultur, die sie uns kontinuierlich vermitteln. Neben den Stimmen von Persönlichkeiten aus Politik und Gesellschaft, Bildung und Wissenschaft, sind wir besonders daran interessiert, auch die Stimmen der sogenannten “normalen Leute” zu hören und aufzunehmen.

Aber heute sind wir in Rita. Hanson interviewt Ronny, der spricht an manchen Stellen im Interview lieber auf Marshallese. Wir verstehen tatsächlich einige Brocken, denn manche Wörter sind aus dem Englischen übernommen. Wörter wie „plastic“ und „Climate Change“. Aber viel ist es nicht, was wir ausmachen können.

Interview von Ronny und Hanson in Rita.

Dennoch ist es uns wichtig, dass die englische Sprache keine Barriere darstellt. Wir sprechen es immer wieder an, dass jedem frei gestellt ist in English oder Marshallese zu sprechen. Wichtig ist, dass sich die Interviewten wohl fühlen, wenn sie etwas mitteilen wollen. Wir haben sowieso vor, mit ÜbersetzerInnen gemeinsam das Material auszuarbeiten und die TeilnehmerInnen sprechen ja Marshallese.

Wir wissen nicht Alles, was Ronny an diesem Tag in Rita zu berichten hatte. Aber wir haben seine Mimik und Gestik gesehen, als er Marshallese sprach. Sie war eindringlich. So reden Menschen, die etwas zu erzählen haben. Wir sind gespannt, bald zu erfahren, was es war.

https://upload.wikimedia.org/wikipedia/commons/0/04/Majuro_Satellite.PNG

Karte von Majuro. Die befestigte Straße führt von „Laura“ nach „Rita“ und selbstverständlich zurück. Die Namen kommen aus der Zeit der US-Amerikanischen Stationierung und sind Anleihen der amerikanischen Soldaten bei den Schauspielerinnen „Rita Hayworth“ und „Lauren Bacall“.

Wir haben in Laura 13 TeilnehmerInnen aus der High School im Montags-Workshops.
Sie sind unsere jüngste Gruppe.

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