Ein knapper Monat

Abgedreht! Heute haben wir aus Majuro (RMI) eine Kopie des gedrehten Materials zu unserer Produktionsgesellschaft „Studio Kalliope“ nach Potsdam (Germany) geschickt. Das kleine Päckchen im Video hat es in sich. Es enthält 8 Festplatten mit jeweils 5 TB Videomaterial und Audioaufnahmen, demnach 40 TB Daten und dazu einen HD-Proxy auf zwei weiteren Festplatten. Würde man alle Videoaufnahmen ohne Unterbrechung hintereinanderweg anschauen, bräuchte man mehr als zwei Wochen, haben wir mal ausgerechnet. Das Paket macht sich nun auf die Reise nach Hawai. Von dort aus erreicht es ein Postverteilungszentrum in den USA und dann fliegt es über den Atlantik in das kühle Europa, wo es ein DHL-Bote eines grauen Herbstmorgens in etwa einer Woche dann der Maria Kling am Gartenzaun in die Hand drücken wird. Gute Reise, kleines Paket! Mach’ keinen Mist.

 

 

Am 2. Dezember treten wir die Heimreise an. Die verbleibende Zeit werden wir für den Rohschnitt nutzen, für die Fertigstellung einiger Videos für diesen Blog und natürlich für die Vorbereitung unserer Abreise. Einen Großteil unseres Equipments lassen wir im Land. Wir stiften es den Gruppen, mit denen wir die Filmworkshops durchführten, so dass sie auch nach unserer Abreise weiter mit dem Medium Film arbeiten können.

Ein knapper Monat bleibt uns, um uns zu verabschieden von dieser friedlichen, freundlichen und immer sommerwarmen Welt. Es fällt uns schwer, Abschied zu nehmen. Besonders die Menschen, die wir in unserer gemeinsamen Arbeit kennenlernten, denen wir so nahe kamen, sie werden uns fehlen. Wir werden wohl bald zurückkommen müssen. Was sonst?

Eine Geschichte von gutem Wasser

Mit unseren Workshops unternehmen wir immer wieder kleine Reisen. Die Reise, von der das Video unten erzählt, führt uns auf die Insel Kolol En. Wir begleiteten Jina David, einen Umweltaktivisten und Councelmen. Gemeinsam mit einer Gruppe von Jugendlichen prüfte Jina die Wasserqualität in den Regenspeichern der Insel und lehrte die Jugendlichen zugleich, wie sie zukünftig selbst für sauberes Wasser sorgen können. Jinas Projekt wurde ermöglicht von Jo-Jikum und KIO.

 

Stewards of the Environment

Eine Woche lang begleitete unser Teammitglied Christina Schulze ein Forschungsteam um den marshallesischen Wissenschaftler Mark Stege bei ihren Arbeiten auf dem Maloelap Atoll. Von dieser Woche hat sie euch einen kleinen Film mit dem Titel “Stewards of the Environment” mitgebracht, der euch bereits einiges von der Erzählart und den Stimmungen unseres zukünftigen Filmes zu verraten vermag.

Und ganz 13.070 Kilometer entfernt vom Maloelap Atoll komponierte der Potsdamer Musiker Marc Schicker ihrem Video beim Anschauen die Musik auf den Leib. Viel Spaß beim Ansehen und Anhören.

Die Arbeit des Forschungsteams um Mark Stege wurde ermöglicht durch „Unitarian Universalist Service Committee“ und die „Marshall Islands Conservation Society“.

 

Im Prinzip Urlaub

Am 4. Januar 2018 kam unser kleines Team des Kiribati-Projektes auf dem Flughafen auf Tarawa an. Nach drei Reisetagen waren wir endlich da.

Als die Maschine noch in der Luft war, hatten wir uns die Nasen an den Fenstern plattgedrückt. Inmitten der azurblauen unermesslichen Weite des Pazifik, die wir für Stunden von Fiji aus überflogen hatten, lag da plötzlich tief unten etwas Land. Kreisrund ordneten sich die winzigen Atolle auf der Caldera eines uralten Vulkans an. Kaum vorstellbar, dass dort Platz sein sollte für die Landung des Jets. Doch es war Platz und wir landeten geräuschvoll. Durch die geöffneten Luken schoss die dickste Hitze herein. Nachdem wir die Rollbahn zu Fuß überquert hatten und am Zolltresen schließlich an die Reihe kamen, begannen die jungen Beamten hektisch zu telefonieren. Aus dem Büro des Präsidenten erhielten sie die Auskunft: „Send them all back to Fiji.“

Was war passiert?

Schon im Frühjahr 2017 hatten wir uns um die notwendigen Papiere für unsere Arbeit gekümmert. Das Präsidentenbüro hatte uns im Juni eine „Clearance“ ausgestellt, die jedem Menschen auf den Inseln empfahl, unsere Arbeit zu unterstützen. Auf der Basis dieses freundlichen Schreibens hatten wir Geld für das Projekt besorgt, die Unterstützung des Auswärtigen Amtes und des Konsulats von Kiribati erhalten, Equipment gekauft, Flüge gebucht und den Antrag auf Erteilung eines zehnmonatigen Visums beim Ministerium für Migration der Republik Kiribati gestellt.

Das Ministerium aber teilte uns wenige Tage vor Weihnachten per Mail mit, dass unsere „Clearance“ nur für drei von vier von uns gelte (Zwischenzeitlich hatten wir Christina mit in das Team geholt und das auch den hiesigen Behörden mitgeteilt.) und die Visaerteilung damit insgesamt für uns alle unmöglich sei. Als wir das Präsidentenbüro darauf hin baten, unsere „Clearance“ anzupassen, erklärten sie diese ebenfalls insgesamt für unwirksam. Die hiesige Politik hätte sich geändert, erfuhren wir von befreundeten Leuten aus Kiribati. Nach zahlreichen miesen Erfahrungen mit ausländischen Filmemacher*innen sei das Justizministerium unter einem neuen Präsidenten gebeten worden, neue Richtlinien für die Genehmigungserteilung auszuarbeiten, was erheblich dauern dürfte.

Was sollten wir tun? Unsere Flüge waren gebucht. Unsere Wohnungen waren untervermietet oder gekündigt. Claudias unbezahlter Urlaub bei ihrem Arbeitgeber hatte begonnen und würde nur 10 Monate lang dauern.

Also flogen wir. (Freunde, die wir später auf Tarawa trafen, bestätigten uns auch, dass dies der einzig richtige, der kiribatische Weg war, mit Behörden umzugehen. Das Motto lautet: „Geh hin und rede mit den Leuten. Niemand lässt sich hier von Mails überzeugen. Aber alle hören dir hier zu, wenn Du vor ihnen stehst.“)

Wir flogen also: zwölf Stunden von Düsseldorf nach Singapore. Nach acht Stunden Wartezeit fast ebenso lange nach Fiji und von dort aus nach drei Stunde weiter nach Tarawa und von dort aus fast wieder zurück nach Fiji, wohin wir abgeschoben werden sollten.

Den jungen Beamten schien die Anordnung aus dem Präsidentenbüro etwas peinlich zu sein. Sie sahen uns besorgt an und diskutierten heftig untereinander. Sie versorgten die kleine Maira (4 Jahre) mit kaltem Wasser. Und sie telefonierten. Ständig. Immer wieder. Bis es plötzlich hieß, wir könnten doch bleiben. Am nächsten Tag jedoch sollten wir uns im Büro für Migration melden und das pünktlich um 10.00 Uhr. Mit wem sie alles sprachen und wer für uns sprach, wissen wir bis heute nicht.

Freunde aus Kiribati hatten geduldig für zwei Stunden auf uns vor dem Flughafen in der prallen Hitze gewartet. Im Konvoi fuhren sie uns durch den unwirklich hellen Tag die einzige Hauptstraße entlang bis zu dem kleinen schattigen Haus unter Kokospalmen, das wir gemietet hatten. Auf der Fahrt scherzten sie und lachten viel. Wir hätten gerade die wichtigste Lektion gelernt: Geduld. Die zweite Lektion hier sei dann schon die Letzte: Es käme darauf an, immer respektvoll und freundlich aufzutreten. Genau so werden auch wir behandelt.

Mit diesen zwei Lektionen bewaffnet betraten wir am nächsten Tag das Migrationsbüro und kamen den ersten Schritt voran. Wir dürften weiterhin bleiben – als Touristen, bis über unsere Arbeitserlaubnis entschieden sei.

Nun sind wir also gezwungenermaßen Urlauber im Paradies. Was im Grunde ohnehin der Plan war. Als Maria von der Produktion uns auf die Reise schickte, da sagte sie: „Kommt erstmal für einen Monat an. Gewöhnt euch an das Klima und die Sitten. Sprecht mit den Leuten. Bekommt heraus, was sie brauchen und wer sich für eure Workshops interessiert. Knüpft ein Netzwerk. Verbündet euch.“

Genau das tun wir in diesen Tagen. Und es ist immer wieder überwältigend, wie viel Freundlichkeit und Hilfsbereitschaft uns bei Gesprächen entgegen gebracht wird. Ein paar Urlaubsfotos und Urlaubsgeschichten hat euch Mark Uriona auf seinen Blog gestellt. Klick! Wir halten euch auf dem Laufenden, wie die Dinge vorankommen.

Sie weichen nicht

Unser nächstes Filmprojekt wollen wir gemeinsam mit den Filmemacher*innen der kameradisten.org und mit den Einwohnern der Inselgruppe von Kiribati entwickeln. Die vielen kleinen Inseln der Republik im zentralen Pazifik werden bis 2060 vom ansteigenden Meeresspiegel bedeckt worden sein. Die Treibhausemissionen der Industriegesellschaft, die sich auf Kiribati selbst nie entwickelt hat, werden einer uralten Kultur, aber auch den unzähligen kleinen persönlichen Orten von Heimat und Vertrautheit den Untergang bringen. weiterlesen