Gemeinsam fürs Klima

Der 8. September ist ein weltweiter Aktionstag für den Klimaschutz. In über 70 Länder sind Aktionen und Demonstrationen geplant, um den Forderungen nach einer Energiewende hin zu 100% Erneuerbaren mehr Druck zu verleihen. Allein in Deutschland sind über 25 Veranstaltungen geplant.

Auch hier auf den Marshall Islands und auf anderen pazifischen Inseln bereitet man sich auf den 8. September vor. Unter dem Motto #RiseForClimate und dem Motto #RiseForPacificPawa (“Pawa” – Pidgin-Englisch für ” Power”) vereinen sich die vielen kleinen Inselstaaten, um sich gemeinsam zu unterstützen und der Welt zu zeigen: wir gehen nicht unter, wir kämpfen. Sie kämpfen für den Klimaschutz, für das Überleben ihrer Inseln und damit verbunden für ihre kulturelle Identität.

Wir haben u.a. das Vorbereitungstreffen der Umweltorganisation Jo-Jikum gefilmt, die unser lokaler Partner und Teil der globalen Klimabewegung 350.org ist. Das diesjährige Symbol der Aktivitäten ist das Kikonang, eine Art Windrad aus Palmenblättern. Es steht für Bewegung, für erneuerbare Energien wie Wind- und Solarenergie, für das Kunsthandwerk, das hier eine wichtige kulturelle Bedeutung hat und viele Menschen erinnert es auch ganz einfach an ihre Kindheit, da es ein beliebtes Spielzeug auf den Inselstaaten war und ist.

Das Motto vom letzten Jahr war #Haveyoursei, die Blume hinter dem Ohr, als Symbol für die Kulturen des Pazifik. Das folgende Video der Marshall Islands wurde auch auf der COP23 in Bonn, Deutschland, gezeigt.

Es ist wichtig, die Klimakrise global anzugehen. Auf den Marshall Islands gibt es keine Industrie, die Menschen hier tragen am wenigsten zur Umweltverschmutzung durch den Ausstoss von Treibhausgasen bei. Sie sind aber die Ersten, die von den Folgen des Klimawandels betroffen sind. Mehr Infos dazu findet ihr unter diesen Links:

https://riseforclimate.org

https://350.org

https://350pacific.org

Perspektiven

In diesem Beitrag wollen wir Euch zwei ungewöhnliche Perspektiven auf die Marshall Inseln zeigen: Den Blick aus der Luft und den Blick unter die Oberfläche des Wassers.

Während des zweiten Weltkrieges waren die Marshall Inseln aufgrund ihrer geographischen Lage im Pazifik Schauplatz zahlreicher kriegerischer Auseinandersetzungen zwischen den USA und Japan. Noch heute sind die Spuren davon sichtbar. So findet man auf und um die verschiedenen Atolle die Überreste von Bunkern und Kontrollzentren, gesunkene Schiffwracks und abgestürzte Flugzeuge. Das obere Foto zeigt die Ruinen japanischer Tanker auf der Insel Tarawa im Maloelap Atoll. Im Video seht ihr ein amerikanisches Flugzeugwrack (vermutlich ein kleiner Bomber), Während des zweiten Weltkrieges waren die Marshall Inseln aufgrund ihrer geographischen Lage im Pazifik Schauplatz zahlreicher kriegerischer Auseinandersetzungen zwischen den USA und Japan. Noch heute sind die Spuren davon sichtbar. So findet man auf und um die verschiedenen Atolle die Überreste von Bunkern und Kontrollzentren, gesunkene Schiffwracks und abgestürzte Flugzeuge. Das obere Foto zeigt die Ruinen japanischer Tanker auf der Insel Tarawa im Maloelap Atoll. Im Video seht ihr ein amerikanisches Flugzeugwrack (vermutlich ein kleiner Bomber), das auf dem Grund der Lagune von Majuro liegt. Es ist zu einem künstlichen Riff für eine Vielzahl von Lebewesen geworden. Ironie der Zeit.

 

Wir bleiben in der Lagune von Majuro und werfen einen Blick auf die Insel Kolol En.

Es herrscht gerade Ebbe. Doch bei den verschiedenen hohen Flutständen liegen die bräunlichen, unbewachsenen Stellen des Atolls immer wieder ganz oder teilweise im flachen Wasser. Die grünen, bewachsenen Teile erheben sich nur etwas höher als die bräunlichen.

Ihr könnt euch leicht ausmalen, was hier geschieht, wenn der Meeresspiegel auch nur ganz wenig steigt.

Kolol En ist kaum besiedelt und ein beliebtes Ausflugsziel der Marshallesen. Wir haben euch dieses Video ausgesucht, weil Gebäude und Schutzbauten euch hier den Blick für das Wesentliche nicht verstellen können. Es gibt Grün. Es gibt Braun. Jetzt ist Ebbe. Bald kommt Flut. Ihr müsst nur hinschauen.

Gegenüber der kleinen Insel Kolol En, auf der anderen Seite der Lagune liegt – kein Stück höher als die grünen Teile von Kolol En – die große Majuro City, eine moderne Welt mit vielen Menschen, Wohnhäusern, Kindergärten, Schulen, zwei Universitäten, einem internationalen Flughafen, Rundfunkstationen, Bürogebäuden, Einkaufszentren, Fabriken – all das wird bislang von „Seawalls“ beschützt, die man von Zeit zu Zeit höher zieht.

Das gesamte Staatsterritorium der Republik der Marshall Inseln besteht aus flachen Korallenatollen.

Es gibt keine einzige Berginsel. Keinen Rückzugsraum. Was würdet ihr tun?

 

 

 

Kamera läuft und läuft und läuft

Wir sind nach Rita gefahren. Weiter fahren kann man nicht, hier endet Majuros einzige Hauptstrasse. Von diesem Punkt aus kann man auf die nächsten Inseln des Atolls rüberschauen, die sich rund um die Lagune anordnen. Den Ort haben unsere Workshopteilnehmer Hanson und Ronny für ihr Interview vor der Kamera ausgewählt. Beide sind hier in Rita aufgewachsen, leben jetzt aber im Stadtzentrum („town-town“) von Majuro.

Wir bauen das Stativ auf, richten gemeinsam die große Canon ein und checken den Ton. Ok, sind alle bereit? „Audio nimmt auf.“ „Kamera läuft.“ Los geht´s.

Die dritte Workshop-Woche hat begonnen und wir sind bereits mittendrin im Filmen und Interview führen. Wir haben insgesamt 46 TeilnehmerInnen in 6 verschiedenen Workshops über die Woche verteilt und die Dinge entwickeln sich schnell.

Zu Beginn der Workshops gibt es jeweils einen theoretischen Input zu den Bereichen Technik, Audio, Kameraführung, Bildausschnitt, Interview und Stilmittel im Dokumentarfilm. Dann geht es direkt in die Praxis, wir gehen raus, suchen nach Orten für Interviews, die Workshop-TeilnehmerInnen befragen und filmen sich zunächst gegenseitig. Wie Detektive begeben wir uns auf die Suche nach wahren Geschichten. Gemeinsam überlegen wir, wer als Interviewpartner (außerhalb unseres Kreises) für den Film über die Marshall Islands in Frage kommt. Die TeilnehmerInnen trauen sich langsam immer mehr zu und merken, wie viel sie eigentlich schon über das Handhaben der Technik wissen, aber vor allem auch über ihr eigene Geschichte und Kultur, die sie uns kontinuierlich vermitteln. Neben den Stimmen von Persönlichkeiten aus Politik und Gesellschaft, Bildung und Wissenschaft, sind wir besonders daran interessiert, auch die Stimmen der sogenannten “normalen Leute” zu hören und aufzunehmen.

Aber heute sind wir in Rita. Hanson interviewt Ronny, der spricht an manchen Stellen im Interview lieber auf Marshallese. Wir verstehen tatsächlich einige Brocken, denn manche Wörter sind aus dem Englischen übernommen. Wörter wie „plastic“ und „Climate Change“. Aber viel ist es nicht, was wir ausmachen können.

Interview von Ronny und Hanson in Rita.

Dennoch ist es uns wichtig, dass die englische Sprache keine Barriere darstellt. Wir sprechen es immer wieder an, dass jedem frei gestellt ist in English oder Marshallese zu sprechen. Wichtig ist, dass sich die Interviewten wohl fühlen, wenn sie etwas mitteilen wollen. Wir haben sowieso vor, mit ÜbersetzerInnen gemeinsam das Material auszuarbeiten und die TeilnehmerInnen sprechen ja Marshallese.

Wir wissen nicht Alles, was Ronny an diesem Tag in Rita zu berichten hatte. Aber wir haben seine Mimik und Gestik gesehen, als er Marshallese sprach. Sie war eindringlich. So reden Menschen, die etwas zu erzählen haben. Wir sind gespannt, bald zu erfahren, was es war.

https://upload.wikimedia.org/wikipedia/commons/0/04/Majuro_Satellite.PNG

Karte von Majuro. Die befestigte Straße führt von „Laura“ nach „Rita“ und selbstverständlich zurück. Die Namen kommen aus der Zeit der US-Amerikanischen Stationierung und sind Anleihen der amerikanischen Soldaten bei den Schauspielerinnen „Rita Hayworth“ und „Lauren Bacall“.

Wir haben in Laura 13 TeilnehmerInnen aus der High School im Montags-Workshops.
Sie sind unsere jüngste Gruppe.